Eine Liebeserklärung an das NEUE. 

Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie sind 6 Jahre alt und sitzen in der Schule – gerade haben Sie Kunstunterricht und nach etwas Überlegen fällt Ihnen ein Motiv ein, dass Ihnen gefällt. Sie zeichnen ein fliegendes Auto, mit dem Sie mit Ihrer Familie endlich schneller in den Urlaub fliegen können und nicht wie dieses Jahr im Stau stehen. Sie sind vollkommen konzentriert auf Ihre Zeichnung und gestalten die Flügel, den Düsenantrieb und die einklappbaren Räder. Es scheint für Sie mühelos, die Vorstellung von einem fliegenden Auto zu Papier zu bringen. Sie gehen vollends darin auf und merken gar nicht, wie die Zeit verfliegt. Plötzlich steht Ihre Kunstlehrerin neben Ihnen. Sie schaut sich ihre Zeichnung an und sagt: „Autos können nicht fliegen – male doch nicht immer so einen Quatsch!“ - Kommt Ihnen so ein Moment bekannt vor?

In den letzten 12 Millionen Jahren hat sich das Volumen des menschlichen Gehirns fast verdreifacht. Der Hauptgrund, warum das Gehirn so viel größer geworden ist, ist eine Struktur des Gehirns, die sich extrem entwickelt hat: der präfrontale Kortex. Nun, was tut ein präfrontaler Kortex? Er ist tatsächlich für viele Dinge zuständig – vor Allem aber dafür, Erfahrungen, die wir noch gar nicht erlebt haben, zu simulieren. So wie Flugzeugpiloten in Flugsimulatoren viele Male üben, damit sie keine Fehler beim tatsächlichen Fliegen machen und wir alle sicher an unser Ziel kommen – so hilft uns der präfrontale Kortex, Erlebnisse zu simulieren ohne dass wir diese bereits erlebt haben und bevor wir sie im realen Leben ausprobieren. Kein anderes Lebewesen kann dies in solch einem Ausmaß wie wir Menschen. Und genau diese Fähigkeit, die wir auch Vorstellungskraft nennen, ist eine ganz entscheidende. Unsere Vorstellungskraft ist der Ausgangspunkt von Kreativität und all dem Neuen was wir Menschen in unserer Geschichte erschaffen haben. Vom Rad über die Elektrizität bis hin zu modernen Technologien wie dem Internet war immer die Vorstellungskraft von einzelnen oder mehreren Personen der Antrieb dieser kreativen Gedanken und hat uns den Fortschritt und Wohlstand gebracht, in dem wir alle heute leben. Diese Vorstellungskraft ist die entscheidende Fähigkeit, die es uns ermöglicht, den letzten Stau auf der Autobahn nicht einfach so hinzunehmen, sondern auf die Idee zu kommen, sich ein fliegendes Auto vorzustellen.

Diese Gehirnstrukturen zu entwickeln, die uns Menschen diese wunderbare Fähigkeit Kreativität geben und uns damit befähigen, etwas Neues zu schaffen, hat in der Evolution 12 Millionen Jahre gedauert. Diese Fähigkeit im Keim zu ersticken, kostete unserer Kunstlehrerin gerade einmal 3 Sekunden.

Die Frage, die sich mir als Kreativitätsforscher an dieser Stelle stellt, ist, warum wir so oft so ablehnend auf etwas Neues oder Ungewohntes reagieren und es uns so schwer fällt kreativ zu sein, obwohl wir doch eigentlich wissen, dass nur das Neue uns all unseren Fortschritt und unseren Komfort gebracht hat?

Die Forschung zeigt, dass wir Ideen, deren Mehrwert erst in der Zukunft erkennbar wird, oft nicht richtig einschätzen. Stattdessen bevorzugen wir den Status Quo. Wir haben Angst, etwas zu riskieren, das am Ende doch nicht funktioniert. Wir haben Angst, etwas falsch zu machen. Für viele neue Ideen bräuchten wir außerordentlich viel Mut, um etablierte Denkmuster zu verlassen, Regeln zu brechen, und andere von unserer Idee zu überzeugen. Studien zeigen sogar, dass neue Fahrzeugdesigns, wenn sie gerade erst auf den Markt gekommen sind, zunächst als unschön wahrgenommen werden. Die breite Mehrheit unserer Gesellschaft tendiert dazu diese Neugestaltungen als umso schöner wahrzunehmen, je öfter man sie tatsächlich sieht – also je bekannter das neue Design ist. Man kann also festhalten, dass wir in den allermeisten Fällen etwas bereits Bekanntes dem Unbekannten – also Neuen – vorziehen. Warum ist das so?

Experten argumentieren, dass wir Menschen dieses Verhalten als eine Art Überlebensmechanismus in uns haben. Etwas Neues könnte Gefahr, vielleicht sogar Lebensgefahr bedeuten und deshalb lehnen wir es erst einmal ab. Eine unbekannte Pflanze könnte giftig sein, das Tier, dem wir begegnen, könnte uns angreifen und uns töten. Ein neues Design eines Autos stellt natürlich keine Lebensgefahr dar, aber dennoch lehnen wir es intuitiv erst einmal ab. Die Ablehnung von etwas Neuem ist also ein angeborener Überlebensmechanismus: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“. Also müssen wir eigentlich Jedem dankbar sein, dessen Überlebensmechanismus – vorsichtig formuliert – nicht ganz sauber funktioniert. Jedem, der es wagt, etwas Neues auszuprobieren.

Wir alle wissen, dass wir höchstwahrscheinlich in 20 Jahren der Nutzung von fliegenden Autos (Drohnen oder ähnlichem) näher sind als wir es jemals waren. Das Neue wird Realität, aber dies geschieht nicht von allein. Hierzu braucht es die Kreativität von Vielen. Doch was ist eigentlich Kreativität? Kreativität wird allgemein als menschliche Fähigkeit verstanden, die uns befähigt neue und nützliche Ideen in jeglichen Domänen zu generieren. Dabei wird Kreativität mittlerweile weit über die üblichen Bereiche, wie Kunst, Musik und weiteren klassischen Kreativjobs hinaus als immer bedeutender eingeschätzt. So bestätigte das Weltwirtschaftsforum in Davos, dass Kreativität als menschliche Fähigkeit zu den drei wichtigsten Fähigkeiten von Mitarbeitern und Managern der Zukunft gehören wird. Erste Pionierunternehmen, wie zum Beispiel die Adidas AG haben Kreativität als einen wichtigen Baustein ihrer gesamten Unternehmensstrategie auserwählt. Andere Unternehmen gestalten explizit ihre Arbeitsumgebungen neu, um die Kreativität ihrer Mitarbeiter zu stimulieren. Neben diesen Pionierunternehmen ist der Großteil der Organisationen weltweit dennoch eher Experte im Verwalten und Managen des Bekannten und tun sich beim kreativen Schaffen und Managen des Neuen nach wie vor schwer. Organisationen sind Weltmeister in der Entwicklung und Anwendung von Prozessen, die die gesamte Organisation auf Effizienz trimmen. Gleichzeitig stehen diese Organisationen aber immer dann vor großen Herausforderungen, wenn sie von einem Wandel betroffen sind und die etablierten Prozesse, Vorgehensweisen, Produkte und Dienstleistungen nicht mehr erfolgreich sind. So wie auch der aktuelle Wandel hin zu neuen Antriebstechnologien und neuen Geschäftsmodellen in der Autoindustrie uns dies deutlich macht. Obwohl bereits seit vielen Jahren Kreativität weltweit von führenden Forschern untersucht wird, sind viele dieser Erkenntnisse nach wie vor nicht in der Gesellschaft und Unternehmenspraxis angekommen. So zeigt der weltweit über 64,2 Millionen Mal angesehene und somit erfolgreichste TED-Talk mit dem Titel „Do schools kill creativity?“ von Ken Robinson eindrucksvoll auf, dass unser klassisches Bildungssystem uns diese wunderbare menschliche Fähigkeit der Kreativität eher abtrainiert als antrainiert – wie auch die Eingangsgeschichte gleichermaßen aufzeigen soll. Es gibt also weiterhin noch außerordentlich viel Potential einerseits die Kreativität durch weitere Forschung noch besser zu verstehen und andererseits diese Erkenntnisse auch tatsächlich in das Bildungssystem und in die Organisationen zu bringen. Wir stellen also fest, dass das Schaffen von etwas Neuem mit der wunderbaren menschlichen Fähigkeit der Kreativität wohl eine der größeren Herausforderungen in unserer Gesellschaft darstellt.

Warum uns gerade das Kreativsein so schwerfällt, zeigt ein Beispiel aus der Jazzmusik. Keith Jarett, ein amerikanischer Jazz-Pianist, der 1975 im Kölner Opernhaus ein Konzert geben sollte, fand ein Klavier vor, was eigentlich viel zu klein für den großen Saal war. Die Tasten funktionierten teilweise nicht richtig, er selbst hatte auch noch Rückenschmerzen und war von der langen Anreise alles andere als ausgeschlafen. Alle Voraussetzungen waren also katastrophal und Keith Jarett wollte das Konzert eigentlich 30 Minuten vor Beginn absagen, während alle Gäste bereits auf ihren Plätzen saßen. Am Ende ließ er sich von einer jungen Managerin des Konzerthauses überzeugen und spielte: er musste improvisieren, manche Tasten weglassen, sich teilweise hinstellen und richtig fest auf das Klavier hauen, fast einschlagen, damit er überhaupt den entsprechenden Klang für das große Opernhaus erzeugen konnte. Keith Jarett musste in dieser Situation also kreativ sein. Bis heute ist dieses Jazz-Live-Album immer noch eines der weltweit meistverkauften – gerade weil es etwas komplett Neues und somit Außergewöhnliches ist.

Was lernen wir also daraus? Wirklich kreative Dinge entstehen nicht einfach so. Wenn wir kreativ sein und etwas Neues schaffen wollen, dann müssen wir aus unserer Komfortzone herauskommen – den inneren Schweinehund überwinden. Wir müssen es akzeptieren, dass es sich nicht immer gut anfühlt und wir zweifeln. Doch genau diese Anzeichen sollten uns zeigen, dass wir etwas Neuem und möglicherweise Tollem auf der Spur sind.

Im Unterschied zu Keith Jarett, der in diesem Beispiel diese kreative Leistung auf der Bühne noch ganz alleine erbracht hat, passiert Kreativität heute fast ausschließlich in Teams. Aufgrund der immer steigenden Komplexität ist es heute fast überhaupt nicht mehr möglich, etwas komplett allein zu erschaffen. Genau genommen ist es schon verdammt lange her, dass wir Kraft unserer eigenen Kreativität etwas erschaffen konnten. Ich muss dabei schlagartig immer an die einfachen Steinwerkzeuge aus der Steinzeit denken. Hier hat eine Person noch für sich selbst diese Werkzeuge und das entsprechende Produkt, z.B. einen Speer, herstellen können. Heute gibt es keinen einzelnen Menschen auf dieser Welt mehr, der auch nur einen einfachen Kugelschreiber alleine herstellen kann. Selbst wenn Sie wüssten, wie man diesen Kugelschreiber zusammenbaut, wissen Sie noch lange nicht, wie sie die Spritzgießwerkzeuge zur Kunststoffherstellung fertigen sollen, oder das Erdöl fördern sollen als Ausgangsmaterial des Kunststoffs, geschweige denn, dass Sie wissen, wie das Erdöl auf der Erde zu finden ist. Es gibt tatsächlich einen Forscher, der dieses Phänomen untersucht hat. Er hat versucht, einen relativ einfachen Alltagsgegenstand, einen Toaster, komplett allein herzustellen, sprich: Öl fördern, Plastik herstellen, Form gießen, Eisen fördern, Drähte herstellen, und so weiter. Er hat es tatsächlich geschafft. Er hat einen Toaster gebaut, ganz allein und hat damit mehrere Monate verbracht. Er hat ihn auch an den Strom angeschlossen und die Brote nach unten gedrückt. Der Toaster funktionierte, er erhitzte sich – aber leider zu stark – so stark, dass der Toaster schmolz und am Ende ein geschmolzenes Stück Plastik übrigblieb. Sie sehen also: das Neue verlangt heute nach einer kreativen Teamleistung.

Doch gerade die dynamischen Vorgänge in Teams besser zu verstehen und damit gleichzeitig gezielt die Teamkreativität zu fördern ist hochkomplex. Die Forschung zu Kreativität in Teams hat bereits viele im ersten Moment doch sehr triviale Erkenntnisse hervorgebracht, wie zum Beispiel, dass eine höhere Diversität im Team grundsätzlich die Teamkreativität erhöht. Teams mit einer hohen Diversität aber mit fehlenden gegenseitigen Vertrauen im Team würden dennoch keine einzige kreative Idee hervorbringen. Oder eine hohe Diversität und entsprechendes hohes gegenseitiges Vertrauen im Team fördert noch lange keine Teamkreativität, wenn die Individuen im Team nicht die entsprechende Expertise in dem Feld besitzen in dem sie Ideen entwickeln wollen. Die große Herausforderung bei Teamkreativität ist somit ein komplexes Wechselspiel mehrerer Faktoren zu verstehen und diese gezielt zu steuern.

Genau an dieser Stelle setzt die vorliegende Dissertation an und beschäftigt sich in sechs ausgewählten wissenschaftlichen Artikeln ganz konkret mit dem Thema der Kreativität in Teams. Dabei wurde immer wieder gezielt versucht einzelne Erkenntnisse nicht isoliert zu betrachten, sondern zusammenzubringen, um dem angesprochenen Charakter des komplexen Wechselspiels der Teamkreativität gerecht zu werden. Besonders der erste Artikel liefert erstmalig ein konkretes Modell inklusive eines 3-Schritte Ansatzes, das besonders für die Praxis ein konkretes Werkzeug darstellt Teamkreativität in Organisationen erfolgreich zu gestalten. So ist es zum Beispiel entscheidend, die Teams in einem entsprechenden feinen Gleichgewicht zu halten aus hohem internen Teamzusammenhalt und frischen externen Impulsen durch neue Teammitglieder. Ein Team muss erst das nötige Vertrauen und den nötigen Teamzusammenhalt aufbauen, damit jedes Teammitglied sich traut auch die persönlichen kreativen Ideen mit in den kreativen Teamprozess mit einzubringen, was dann das Gesamtergebnis kreativer macht. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass Teams, die bereits zu lange zusammen sind und das Vertrauen und der Teamzusammenhalt zu groß werden wieder an Kreativität verlieren, da sich weniger gegenseitig mit neuen Ideen herausgefordert wird und sich zu schnell auf die erstbeste Idee geeinigt wird. In diesem Moment sollten dann neue externe Impulse mit neuen Informationen und Meinungen durch Teammitgliederwechsel erreicht werden und damit das Vertrauen und der Teamzusammenhalt wieder auf ein entsprechendes Level gesenkt werden. Das ist nur eines von vielen Beispielen, welches aufzeigt, dass Kreativität in Teams ein großes Maß an Fingerspitzengefühl benötigt, um das feine Gleichgewicht aus sich entgegengesetzten Faktoren erfolgreich im Sinne der Förderung der Kreativität zu managen. Dieses Beispiel zeigt besonders auf, dass Führungskräfte und gesamte Organisationen deutlich bewusster noch ihre Teams zusammenstellen und managen sollten, um langfristig erfolgreich kreative neue Ideen zu entwickeln, die die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und somit das Überleben der Organisation sichern.

Darüber hinaus liefert diese Dissertation weltweit einen ersten empirischen Beleg darüber, dass Design Thinking den traditionell angewendeten Innovationsansätzen überlegen ist. Diese Studie ist mittlerweile auch im European Management Journal publiziert. Design Thinking wird dabei als ein Vorgehen verstanden, welches Teams dabei hilft kreativ zu sein und etwas Neues zu schaffen. Design Thinking liefert den Teams im Kontext der großen Freiheit und Ungewissheit bei der Schaffung etwas Neuem genau die richtigen Hinweise und gibt die richtigen Tools zur Hand, dass es sich nicht ganz so unangenehm anfühlt wie im Beispiel von Keith Jarett. Dadurch hilft Design Thinking den kreativen Prozess zur Erstellung von etwas Neuem ein wenig mehr zu einem bekannten Prozess zu machen, in dem sich wie bereits erwähnt Organisationen wohler fühlen.

Zusätzlich zeigen weitere Erkenntnisse, dass die Ausgestaltung der Arbeitsumgebung einerseits ein wichtiges Werkzeug für Organisationen sein kann Teams kreativer zu machen und andererseits die Kommunikation dieser „kreativen“ Arbeitsumgebungen nach außen den Organisationen helfen kann deutlich kreativere Mitarbeiter anzulocken und letztlich für die Teams zu rekrutieren. Einerseits kann die Umgestaltung der Arbeitsumgebung hin zu einem aktivitätsbasierten Arbeiten (jeder Mitarbeiter sucht sich für die jeweilige Aufgabe den idealen Arbeitsplatz – es gibt keine festen Arbeitsplätze mehr) die freie Arbeitsausgestaltung der Mitarbeiter, die Vernetzung, die Kommunikation und den Informationsaustausch der Mitarbeiter untereinander verstärken. Dieser Effekt wiederrum befördert laut der Fallstudie in der Dissertation die Kreativität der Teams, da nun ein Mitarbeiter an einem durchschnittlichen Tag deutlich mehr Menschen trifft und mit diesen sich kurz austauscht. Aus der Kreativitätsforschung wissen wir, dass je mehr Informationen und unterschiedlichen Sichtweisen der Mitarbeiter ausgesetzt ist, umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Mitarbeiter durch die Verknüpfung mit dem eigenen Wissen und den eigenen Sichtweisen auf neue kreative Ideen kommt. Zudem stellt eine weitere Studie der Dissertation fest, dass die kreativeren Bewerber die Organisationen für attraktiver und innovativer erachten und somit sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für diese Organisation entscheiden würden, wenn die Organisationen deutlich modernere und kreativere Arbeitsumgebungen durch Fotos in Jobanzeigen nach Extern kommunizieren. Diese Erkenntnis stellt somit eine sofort und einfach umsetzbare Maßnahme für Organisationen dar, die sich als Ziel gesetzt haben kreativere Menschen für ihre Teams zu rekrutieren. Immerhin ist die Kreativität des Einzelnen in einem Team ein wichtiger Ausgangspunkt für eine erfolgreiche kreative Teamleistung.

Insgesamt soll diese Dissertation angelehnt an die Eingangsfragen einen Beitrag dazu leisten, dass wir uns in unserem Privatleben, in unserer Gesellschaft und in Organisationen deutlich bewusster und öfter wieder explizit für das Neue und somit das Ergebnis der Kreativität entscheiden. Zusätzlich liefern die in der Dissertation erlangten Erkenntnisse den Organisationen konkrete Stellschrauben und Werkzeuge, wie Design Thinking oder die Gestaltung der Arbeitsumgebung, um das „Kreativsein“ für Teams deutlich leichter und angenehmer zu gestalten.

Unserer Gesellschaft stehen heute und in Zukunft noch so viele neue Herausforderungen bevor, egal ob es zum Beispiel auch um die Flüchtlingskrise und Integrationsthemen oder um Klimafragen geht, letztlich können wir darauf nur gemeinsam im Team und mit Hilfe unserer Kreativität Lösungen finden. Denn diese großen Herausforderungen sind nicht nur mit bestehendem Wissen, effizienten Prozessen und logischem Denken allein zu lösen, vielmehr brauchen wir hier ganz konkret viel Neues, was es mit unserer Kreativität zu entdecken, zu erfinden oder zu erdenken gibt.

Wir sollten deshalb alle der Bedeutung unserer eigenen Kreativität für unser Leben, für unsere Gesellschaft und für die Unternehmen in denen wir arbeiten, noch stärker bewusstwerden und gezielter einsetzen. Wir alle können kreativ sein und haben deshalb auch eine Verantwortung, diese Fähigkeiten einzusetzen, um eine Welt zu hinterlassen, die lebenswerter ist als vorher. Und außerdem sollten wir alle uns den Auswirkungen unseres Verhaltens auf die Kreativität von Anderen für die Zukunft noch mehr bewusstwerden, damit wir nicht so reagieren, wie die Lehrerin auf das fliegende Auto. Denn man kann nie wissen, welche tolle, neue Errungenschaften aus vermeintlich absurden anfänglichen Gedanken oder Ideen entstehen können.

Seien wir doch ehrlich: wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass erste Anwendungen von künstlicher Intelligenz die Krebszellen bereits teilweise besser erkennen als die erfahrensten Radiologen auf diesem Planeten? Dass es Geräte geben wird, die wir alle in den Händen halten, mit denen wir auf Knopfdruck eine spontane Videokonferenz mit Familienmitgliedern am anderen Ende der Welt starten können? Genau diese Beispiele zeigen jedoch, dass wir Menschen große Herausforderungen erfolgreich meistern können, wenn wir erstens nicht alleine, sondern im Team arbeiten und zweitens es schaffen die Kreativität in diesem Team erfolgreich zu stärken und zu nutzen.

Wir können die Zukunft ohnehin nie zu 100% vorhersagen und werden es auch nie können. Die Zukunft aber – auch wenn wir nicht wissen, wie sie aussieht – liegt mit unserer Kreativität letztlich in unseren Händen und genau das macht diese Fähigkeit und daraus entstehende Neue so wertvoll.

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